Start Geschichte Die Entwicklung chemischer Drogen durch Nazi-Deutschland

Die Entwicklung chemischer Drogen durch Nazi-Deutschland

Der Zweite Weltkrieg war sicherlich die tragischste Epoche des 20. Jahrhunderts. Mehrere Millionen Menschen mussten in dieser Zeit ihr Leben lassen, unzählige Städte wurden in Trümmer gelegt und Europa war am Ende. Inzwischen ist bekannt, dass die Nazis während des Krieges angesichts der drohenden Niederlage an einer Wunderpille forschten, die Soldaten zu Kampfmaschinen machen sollte. Was es damit auf sich hat, erfahrt Ihr im folgenden Artikel.

Pervitin als ein Weg, den Krieg zu gewinnen

Um den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, nutzte Hitler alle Mittel, die ihm zur Verfügung standen, und so ist es nicht verwunderlich, dass er schon früh bestimmte Drogen einsetzte, um die Leistung seiner Soldaten zu steigern. Deshalb wurde das Aufputschmittel Pervitin bereits seit Kriegsbeginn 1938 von den Temmlerwerken fabriziert und an die Soldaten verabreicht. So konnten sie während Hitlers großem Feldzug durch Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich täglich bis zu 60 Kilometer marschieren. Das Metamphetamin hellte die Stimmung auf, wirkte gegen Asthma und bekämpfte wirksam das häufigste Problem in der Wehrmedizin: die Müdigkeit.

Drogenexperimente mit Pervitin
Pervitin, auch als Methamphetamin bekannt, wurde während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Soldaten konsumiert.

Daher lieferten die Berliner Temmel-Werke allein von April bis Dezember 1939 rund 29 Millionen Tabletten an das Militär. Während der letzten Kriegsjahre hatten sogar sämtliche Sanitäter die Aufputschmittel in ihrem Gepäck, um übermüdete Soldaten wieder auf die Beine zu bringen. Natürlich war das alles streng geheim, denn offiziell gingen die Nazis gegen Rauschgiftkonsum vor.


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Das war Problem war jedoch, dass die Soldaten nach der Einnahme der Wunderdroge die dreifache Menge Schlaf benötigten. Um aber schneller wieder einsatzfähig zu sein, wurde Pervitin erneut konsumiert. Die Soldaten gerieten in einen Teufelskreis der zu Depressionen und sogar zum Tod führte. Doch nicht nur zu Hitlers Zeiten war der Wachmacher en Vogue. Auch die Bundeswehr nutzte das Mittel noch bis Anfang der 70er Jahre und die NVA bis kurz vor der deutschen Wiedervereinigung.

Das neue Wundermittel D-IX

Trotz der Drogenexperimente mit Pervitin schien der Krieg nicht mehr zu gewinnen zu sein. Um die drohende Niederlage doch noch abzuwenden, forschten die Nazi-Wissenschaftler immer eifriger an einem Wundermittel. So wurde seit November 1944 das Experiment D-IX im Konzentrationslager Sachsenhausen ins Leben gerufen. Betraut waren mit der Entwicklung der Wunderdroge der Pharmakologieprofessor Gerhard Orzechowski und dessen Forscherteam.


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Sie entwickelten eine Kapsel, die 5 mg Kokain, 3 mg Pervitin, 5 mg Eukodal (ein Schmerzmittel auf Morphium-Basis) sowie synthetisches Kokain des heutigen DAX-Konzerns Merck beinhaltete. Die ersten Praxis-Tests fanden unter zwei Besatzungen von Kleinst-U-Booten sowie einer Kampfschwimmer-Einheit durch. Offensichtlich waren die Ergebnisse des Experiments zufriedenstellend, sodass KZ-Insassen als Versuchskaninchen für marschierende Soldaten herhalten mussten.

Im KZ Sachsenhausen wurde die Wunderdroge entwickelt und an Insassen getestet.

Mehrere Häftlinge wurden gezwungen, mit 20 kg Gepäck auf einem Hof im KZ Sachsenhausen immer im Kreis zu marschieren – bis zu 90 Kilometer ohne Pause. Auch hier konnten solide Resultate erzielt werden: Der Schlafbedarf verringerte sich drastisch, die Marschleistung war ausgezeichnet und Veranlagung sowie der eigene Wille wurden weitgehend eliminiert. Doch noch bevor die Pille in die Massenproduktion ging und an Soldaten hätte verteilt werden können, kam der Sieg der Alliierten im Frühjahr 1945 und beendete den Zweiten Weltkrieg.

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Rick
Ich bin Anfang 2020 zu Only Fun Facts gekommen. Meine Leidenschaft ist es, einen genaueren Blick auf unsere unglaublichen Fakten zu werfen. Wenn ich einen verblüffenden Fakt lese, ist es nicht unüblich, dass ich eine umwerfende Hintergrundgeschichte dahinter entdecke. Das teile ich gerne mit Euch, und ich hoffe, dass Dir unsere Geschichten gefallen.

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